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Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V.

Sturmflut 1954




Es wird auch in anderen Teilen der Bundesrepublik Deutschlands bekannt geworden sein, dass der Norddeutsche Raum Mitte Januar von einem schweren Orkan, der Geschwindigkeiten bis zu 135 km/h erreichte, schwer bedroht war.

Besonders in den ausgesprochenen Küstengebieten war die Gefahr einer Überschwemmung gegeben, so dass hier schon weit früher umfangreiche Abwehrmaßnahmen zur Hochwasserbekämpfung getroffen werden mussten. All dieses wird aber allgemein aus der Zeitung bekannt sein.

Ich möchte an dieser Stelle den Einsatz des DLRG-Bezirkes Bremen anlässlich dieser Hochwassergefahr, die auch für das Stadtgebiet Bremen bestand, und die Zusammenarbeit mit der zentralen Leitstelle (Senator für Inneres) schildern:

Bereits am Morgen des 16. Januar war die Weser im Stadtgebiet über bzw. aus dem Flussbett gestiegen und hatte kleinere Streifen entlang der Weser unter Wasser gesetzt.
Ab 9.30 Uhr bestand Alarmstufe I. 

Als die Weser dann um 13 Uhr den höchsten Wasserstand erreichte - 5,08 m über Null, konnte man an den Gesichtern der an den Ufern stehenden Menschen sehen, dass sie alle froh waren, dass die Sturmflut keinen größeren Schaden anrichtete.  Für die Nacht mussten aber trotzdem umfangreiche Vorsichtsmaßregeln getroffen werden, da der Sturm immer noch unermüdlich die Wassermassen aufpeitschte.

Im Bezirk Bremen wurden die zunächst groben Einsatzpläne mit dem Technischen Leiter, Kam. Willy Hickstei n, festgelegt und besprochen. Er meldete den Bezirk Bremen bei der zentralen Leitstelle der Polizei zum Einsatz. Daraufhin wurden sämtliche fünf Einsatzverbände (Polizei, Feuerwehr, DRK, DLRG, Technisches Hilfswerk) über Radio Bremen alarmiert und an bestimmten Einsatzpunkten zusammengezogen.

Binnen einer Stunde nach diesem Radio-Aufruf standen die Männer der DLRG unter Einsatz von Privatfahrzeugen unserer Kameraden mit drei Gruppen einsatzbereit.

Die 1. Gruppe war in der Stadtmitte / Weser (Rettungswache Stadtwerder) mit 50 Rettungsschwimmern und den entsprechenden Rettungsgeräten stationiert.  Die 2. Gruppe "Techn. Betrieb" traf im Hohentorshafen Bremen die Vorbereitungen zur Verladung der DLRG-Boote unseres Bezirkes (4 Ruder-, 1 Motorboot), die später in Zusammenarbeit mit dem Techn. Hilfswerk, in deren Reihen auch Rettungsschwimmer von uns Dienst versehen, auch auf LKWs verladen wurden und an die Bestimmungsorte gebracht wurden. (Siehe Bild).



Die 3. Einsatzgruppe bestand aus rund 30 Kameraden, die sich in einem weniger gefährdeten Teil Bremens trafen, notfalls aber sofort zugezogen werden konnten.  Auch sie hatten sämtliche Ausrüstung bei sich.

Die älteren Einwohner der gefährdeten Überschwemmungsgebiete wurden von der Polizei durch Lautsprecher aufgefordert, dieses Gebiet zu verlassen.  Das Wasser stieg unaufhörlich weiter.   Wir waren selbstverständlich bis auf das Äußerste gespannt, ob es in die Wohngebiete einbrechen würde.  Bange Stunden in dieser Nacht für viele Anwohner der bedrohten Gebiete.  Aber dann war am Sonntagmorgen die Gefahr endlich vorbei.  Es fehlten noch wenige Zentimeter. 

Ein Einsatz der in der Nacht ausharrenden Verbände war gottseidank nicht erforderlich.  Der Bezirk Bremen konnte seine Kameraden mit dem Dank des Senators für Inneres nachhause schicken, der später nochmals deutlich in einem Anschreiben mit den Worten zum Ausdruck kam:
". . . Für die tatkräftige Hilfe der DLRG anlässlich des Katastrophenalarms am 16./17. Januar 1954 spreche ich Ihnen auf diesem Wege meinen Dank aus.  Einer besonderen Anerkennung bedarf einmal, dass Sie sich unaufgefordert zur Hilfe der Bevölkerung zur Verfügung stellten und zum anderen die schnelle und vorbildliche Organisation Ihrer Einsatzbereitschaft.

Im Hinblick darauf, dass Ihre freiwillige Bereitschaft zur Hilfe in Notfällen den gemeinnützigen Charakter der Vereinigung besonders zum Ausdruck gebracht hat, fühle ich mich verpflichtet, im Rahmen der mir gegebenen Möglichkeiten, der DLRG jede nur mögliche Förderung angedeihen zu lassen."
                     Der Senator für Inneres
                           Senator Ehlers

Auch in den Tageszeitungen wurde unsere Einsatzbereitschaft .während dieser Nacht mit lobenden Worten erwähnt.
 ". . . Den Mitgliedern aber, die bereitstanden, um zu helfen, falls die Katastrophe über uns hereinbrechen sollte, wollen wir herzlich danken. Ihre Zahl ist groß, wir denken sowohl an die beamteten, wie an die vielen freiwilligen Helfer.  Es ist unmöglich, sie und ihre Organisationen im einzelnen zu nennen, aber sie alle hielten sich bereit zur Hilfe gegen die drohende Gefahr des Wassers."
Der Vorstand des Bezirkes Bremen, unter der Techn.  Leitung des Kam.  Willy Hickstein, ist sich aber durch diesen Einsatz bewusst, dass er sich auf den hinter ihm stehenden Bezirk und damit die vielen Kameraden voll verlassen kann.
                                Rolf Wimmel.  Lehrsch.-Inhaber.

 Hier hat sich gezeigt, wie wichtig die Zusammenfassung aller Kräfte für einen gut organisierten Katastrophendienst ist. Wir sind als DLRG ein Faktor geworden mit dem man rechnet.
Wir haben durch diesen Einsatz viel gelernt.
Mein besonderer Dank für das gute und schnelle Gelingen dieses Einsatzes gilt meinen Kameraden: Klaus Ohler, Heinz  Weiter, Rolf Wimmel, Friedo Bremer, Robert Kasten und Günter Ciriaks.                       Hickstein, Techn. Leiter.
 

entnommen dem Lebensretter März 1954