Bericht aus dem LV Rheinland-Pfalz

Wer hätte je gedacht, daß der Rhein zu einem landfressenen Ungeheuer werden würde. Scheinbar wollte der vielbesungene "Vater Rhein" unter Beweis stellen, daß er es auch anders vermag.
Dienstag, 24. 2.
AZ-Uberschrift: "Hochwasseralarm im Rhein-Main-Gebiet' und Sintflut 70'. Der extrem stark Witterungsumschlag von Frostwetter mit erheblichem Schneefall zu vorfrühlingshaftem Wetter mit starken und langanhaltenden Regenschauern (AZ - Odenwald verzeichnet Regen-Rekord 76 Liter Niederschlag je Quadratmeter) bei Temperaturen von 5 bis 15 Grad C Wärme führte zu Überschwemmungen der Nebenflüsse des Rheins. Pegelstand von Mainz 6,94 m und damit Erreichung des Höchststandes aus dem Jahre 1955. Da die Flutwellen des Neckars und des Main noch zu erwarten waren, rechnete man in Mainz mit dem Höchstpegelstand von 7,20 m.
Mittwoch, den 25. 2.
Das Hochwasser steigt. In Mainz müssen Dämme an der Rheingoldhalle errichtet werden. Die Verladekais in der Nähe des Zollhafens stehen unter Wasser. Die direkt am Ufer liegenden Firmengebäude stehen bis zum höhergelegenen Erdgeschoß unter Wasser. THW sorgt mit Schlauchbooten im Pendelverkehr für die Sicherheit der auf ihren Posten Ausharrenden. Sorgenvoll betrachtet unsere Fastnachtssängerin Margi Tsponheimer den steigenden Rhein, das väterliche Geschäft, in einer Nebenstraße des Rheins gelegen, kann bei sehr starkem weiteren Steigen Kellerüberflutungen abbekommen. Die Einsatzmannschaften des Mehrzweckbootes "<b>Oppenheim</b>" ist im eigenen Raum und im Bereich von Oppenheim unterwegs. Wohl überall Uberschwemmung, aber noch kein direkter Einsatz.
Anders sieht es in <b>Ingelheim</b> aus. Hier ist Hochwasseralarm gegeben. Manchesmal armdicke Wasserstrahlen durchbrachen den Rheindamm und weichten den landwärts gelegenen Versorgungsweg auf. Die Dammwächter entdecken 10 Gefahrenstellen, an welchen Dammbruchgefahr besteht. Noch ist ein Stillstand des höher steigenden Wassers nicht abzusehen. Bundeswehr wird alarmiert, die Ingelheimer DLRG- Kameraden zum Einsatz gerufen. Die Sicherung der möglichen Bruchstellen ist schwierig. Kraftfahrzeuge können an den Damm nicht heran. Sandsäcke, von Ingelheimern gefüllt, müssen entweder mit Lasthubschraubern der Bundeswehr oder auf kilometerweitem Umweg bis zur Gefahrenstelle mit Kraftfahrzeugen gefahren werden. Das Ingelheimer Boot ladet sie und bringt sie zu den gefährdetsten Stellen. Am Abend wird Katastrophenalarm ausgerufen. Der Einsatzleiter ordnet den Einsatz des zweiten Mehrzweckbootes der DLRG an. Ingelheimer Kameraden nehmen auch das zweite Rettungsmotorboot in den Einsatz.
Donnerstag, den 26. 2.
Notdürftig wurden die Sickerstellen am Damm gesichert. Immer wieder strömt das unter hohem Druck stehende reißende Rheinwasser an einzelnen Stellen durch den Damm. Einsatzabruf für die Ingelheimer Rettungstaucher. Kunstoffolien werden an den letzten Sickerstellen auf der Wasserseite ausgelegt bis zum Dammgrund und mit Sandsäcken abgedeckt. Eine gefährliche Arbeit ohne Sicht bei reißendem Strom, in welchem dauernd Baumstücke und andere Gegenstände mitfließen. Die Oppenheimer Kameraden bleiben in der Nacht im Einsatz. Kam. Kuntz, der Bezirksleiter von Oppenheim, alarmiert und holt eine zweite Bootsbesatzung, um die erschöpften Kameraden ablösen zu können. Nachts liegen sie auf rasch aufgeschlagenen Krankentragen im Spritzenhaus. Das Rote Kreuz hat die Versorgung übernommen.
Freitag, den 27. 2.
Die Flutwelle des Main erreicht Mainz. Noch einmal steigt der Pegelstand höher. Jahrhundertrekord überschrieb die AZ den Pegelstand 7,27 m. Tag und Nacht werden die Dämme bei Ingelheim durch die zuständigen Wächter kontrolliert. Ununterbrochen sorgen die Mehrzweckboote für den Nachschub an Sandsäcken, Pfählen und die Ablösung der Wachen.
Der Einsatz der DLRG-Mehrzweckboote zeigte einzelne Schwächen, die der Abstellung bedürfen. Die Zusammenarbeit mit den anderen eingesetzten Hilfsorganisationen wie auch den uniformierten Verbänden war denkbar gut. Sie alle sorgten dafür, daß alle Einwohner unseres Gebietes unbesorgt ihrer Arbeit nachgehen oder ruhig schlafen konnten.
Am <b>Sonnabend</b> wurden die Einsatzgruppen unserer rheinland-pfälzischen DLRG vom Landesverband durch Ubergabe einer flüssigen prozenthaltigen Stärkung überrascht. (Kro.)
entnommen dem Lebensretter mit freundlicher Genehmigung







