Bericht aus dem Bezirk Stade


3. Januar 1976 -Sturmflutwarung für die Elbe. Alarm auch für die Aktiven der DLRG im Bereich Niederelbe. Die ersten Kameraden treffen sich um 9.30 Uhr in der Elbkate in Stade, dem Domizil der DLRG direkt an der Elbe. Das Wasser steigt bedrohlich. Das Umland ist zwar abgedeicht, nicht aber das Geländer der Elbkate. Vorsorglich werden Sandsäcke gefüllt und die Türen des Gebäudes damit abgedichtet. Keller und Erdgeschoß werden vorsorglich geräumt. Das Wasser steigt weiter; plötzlich sprudelt es wie eine Fontaine aus dem Keller heraus. Das Erdgeschoß - gerade neu als Gaststätte eingerichtet - steht bis zu einer Höhe von 1,80 m unter Wasser. Die DLRG muß ihr Haus gegen 14.30 Uhr am 3 Januar 1976 aufgeben. Das Wasser hat gesiegt.
Aus dieser Situation der direkten Betroffenheit, aus der Situation um die gerade geschaffenen und jetzt dem Wasser zum Opfer gefallenen Werte, reihte sich die Stader DLRG unter Leitung der Kameraden Freese und Brandt in den zivilen Katastrophenschutz ein. Neben Helfern von THW, Feuerwehr, DRK, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser-Hilfsdienst und der Bundeswehr kämpften in der Zeit vom 3.1. bis 9.1.1976 146 Männer und Frauen der DLRG gegen den "blanken Hans".

Die Einsatzleitung konnte dabei auf auf Katastrophenschutzzüge aus dem Raum Celle und Nienburg zurückgreifen.



Die Aktiven der DLRG wurden an den verschiedensten Einsatzorten gebraucht. Neben der konkreten Menschenrettung - es wurden 46 Rettungen registriert - stand die Bergung des Viehs im Mittelpunkt der Einsätze. Immer wieder mußte Großvieh aus den Ställen getrieben werde; man kam nicht darum herum, auch totes Vieh zu bergen, um einer Verseuchung des gesamten Überflutungsgebietes zu begegnen. Daneben gehörten auch einfache Transportaufgaben (Verpflegung etc.) zu den Aufgaben der DLRG.
Nach 6 Tagen Einsatzarbeit konnten die freiwilligen Helfer zunächst entlassen werden, aber schon am 20. 1. wurden die Aktiven wieder in Alarmbereitschaft versetzt. Wieder galt es, gegen das auflaufende Wasser anzukämpfen.
Aus dem Tagebuch der Einsatzleitung Stade:
..- Samstag, 3.1. 1976 -
Uhrzeit: Einsatzzweck:
9.30 Uhr Treffen einiger Kameraden an der Elbkate
10.00 Uhr Sandsäcke besorgen
11.00 Uhr Sandsäcke einfallen
12.40 Uhr DLRG Bremervörde alarmiert
13.20 Uhr weitere Sandsäcke zur Elbkate mit THW
13.40 Uhr Wassereinbruch, Keller Elbkate
13.45 Uhr Kein Abdichten möglich
13.48 Uhr Sandsäcke zwecklos
14.05 Uhr Elbkate aufgegeben, Landkreis informiert
16.00 Uhr Telefon Elbkate ausgefallen
16.50 Uhr Leute aus der Elbkate evakuiert
Gemeinden und Landkreis haben die gute Ausbildung und die Einsatzbereitschaft der DLRG schätzen gelernt, wie aus den nachstehenden Anschreiben hervorgeht:
"Die schweren Sturmfluten im Januar 1976, die im Land Kehdingen im Landkreis Stade unermeßliche Schäden angerichtet haben, machten es notwendig, alle im Kreisgebiet vorhandenen Hilfskräfte zum Schutze der Deiche und der Bevölkerung einzusetzen. Es hat sich dabei gezeigt, daß insbesondere die Deutsche Lebens-Rettungs-Geseltschaft in einem Gebiet, das immer wieder durch Überflutungen gefährdet sein kann, besondere Bedeutung und besondere Aufgaben hat. Es ist so z. B. gerade hier sehr wichtig gewesen, daß die Einsatzleitung über zusätzliche Boote mit Helfern, die die Gefahren des Wassers kennen, verfügen konnte. Da es mir nicht möglich ist, die Leistungen Ihrer Männer, die unter erschwerten äußeren Bedingungen erbracht werden mußten, im einzelnen zu würdigen, darf ich Sie bitten, den besonderen Dank des Landkreises Stade allen Helfern, die so viel Einsatzbereitschaft und hohen Ausbildungsstand gezeigt haben, zu übermitteln."
Oberkreisdirektor des Landkreises Stade
"Bei der Deichsicherung und beider Beseitigung der Folgen der Sturmflutkatastrophen im Januar 1976 hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft durch ihren unermüidlichen Einsatz den Einwohnern der Gemeinde Drochtersen in allen Bereichen geholfen. Wir möchten nicht versäumen, Ihnen und Ihren Helfern recht herzlich für den tatkräftigen und uneigennützigen Einsatz zu danken. Nachdem jetzt mehrere Wochen seit den schweren Naturkatastrophen vergangen sind, darf man sich kaum die Frage stellen, was geschehen wäre, wenn nicht so viele freiwillige Helfer aus nah und fern herbeigeellt wären, um das größte Unheil zu verhüten und die schwersten Schäden zu beseitigen. Geben Sie den herzlichen Dank der Gemeinde Drochtersen und ihrer Einwohner für diese Hilfe bitte an alle eingesetzten Kräfte weiter.'
Bürgermeister und Gemeindedirektor der Gemeinde Drochtersen
Entnommen dem DLRG Jahrburch LV Niedersachsen
Wir danken für die Unterstützung







