Hochwassereinsatz 1994
Schwalmstadt-Eder. Im Sog des Wehrstrudels der hochwasserführenden Eder (3,20 m über normal) bei Fritzlar kenterte am 9. Januar ein Schlauchboot. Die beiden Insassen, die bereits von Affoldern aus eine Strecke von 14 km geschafft hatte, wurden hinausgeschleudert. Während einer sich zunächst am Boot und dann an den Ästen eines Baumes festhalten konnte, trieb der andere ab; er wurde rund zehn Kilometer weiter nach vier Tagen tot geborgen.
Die Rettungsaktion für seinen Kameraden verlief dramatisch. Helfer der freiwilligen Feuerwehr fuhren, ebenfalls mit einem Schlauchboot, dem Havaristen im Strudelbereich entgegen. Dabei kenterte auch dieses Boot, beide Feuerwehrleute klammerten sich eine Zeitlang fest; den einen verließen die Kräfte, er trieb ebenfalls ab, konnte aber nach etwa 500 Metern von DLRG- und Feuerwehrhelfern an Land gezogen werden.
Der zweite Feuerwehrmann aus dem Rettungsschlauchboot war bewegungsunfähig: er hatte sich in den Seilen des Bootes durch das ständige Drehen im Strudel so fest angeleint, daß er sich nicht mehr befreien konnte und mit dem Boot davongeschwemmt wurde. Nach acht Kilometern hatten die Helfer Erfolg, sie zogen das Boot und den daranhängenden Mann aus den Fluten.
Beide Feuerwehrleute mußten stark unterkühlt und lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden, erholten sich aber wieder.
Auch der Insasse des zuerst gekenterten Sportbootes war bereit stark unterkühlt, ehe er nach anderthalb Stunden aus dem Baumgeäst gerettet wurde.
Über 100 Feuerwehrkräfte, der Wasserrettungszug der Berufsfeuerwehr und die DLRG- Rettungstauchergruppe waren bei diesem Unfall im Einsatz.
Bereits eine Woche später diente eine große gemeinsame Rettungsübung auf der immer noch hochwasserführenden Eder der intensiven Nachbereitung des Unglücks. Unter Leitung der DLRG wurde der DLRG-Wasserrettungszug Schwalm-Eder mit allen Führungskräften der Feuerwehren bei einer Rettungsübung eingesetzt.


Die DLRG demonstrierte die Möglichkeiten ihrer Mehrzweckrettungsboote mit 40- bzw. 90-PS -Motoren. Boote wurden gemeinsam über Trailer und von Hand aus zu Wasser gelassen und an Land gezogen. Feuerwehrleute stellten sich als Statisten für Rettungsaktionen im Wasser zur Verfü gung. Die Feuerwehr- Führungskräfte waren so beeindruckt, daß sie fast ohne Ausnahme erklärten, nur noch gemeinsame Einsätze fahren zu wollen: Schnelligkeit der Feuerwehren und das Bootsmaterial der DLRG sollten beim Retten sinnvoll zusam men wirken.
Also dürfen alle Gliederungen im Schwalm-Eder-Kreis in Zukunft die beheizten Garagen der Feuerwehren mitbenutzen und dort ihre Boote pflegen und warten. Die DLRG rechnet gemeinsame Rettungseinsätze künftig über den Träger der Feuerwehr ab.
Jahrelang waren die Bemühungen um ein solches Verfahren vergeblich geblieben. Das Eder-Unglück veranlaßte ein Umdenken bei Kreisbehörden und Feuerwehr-Leitung.
mit freundlicher Genehmigung
entnommen dem Delphin 3/94 Mitte-West







