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Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V.

Statement des Präsidenten der DLRG

Bild von Dr. Klaus Wilkens

DLRG Pressekonferenz

Vorstellung der Ergebnisse der Umfrage zur "Schwimmfähigkeit der Bevölkerung"

Es gilt das gesprochene Wort

Meine Damen und Herren,

im Zusammenhang mit den in den vergangenen Jahren gestiegenen Ertrinkungszahlen ist an die DLRG immer öfter die Frage gestellt worden, wie viele Menschen in Deutschland schwimmen können.

Bis auf einzelne lokale Untersuchungen, die sich mit der Schwimmfähigkeit der Schüler befassten, gab es aber keine verlässlichen Zahlen.

Die DLRG hat deshalb im August das Hamburger Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im August mit der Durchführung einer repräsentativen Untersuchung beauftragt.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Bäderschließung. Wir wollten von der Bevölkerung wissen, für wie wichtig sie das Vorhalten von öffentlichen Schwimmbädern durch die Kommunen halten. Dazu später mehr. Zunächst stelle ich Ihnen die Ergebnisse des 68 Seiten starken DLRG-Barometers vor. Wir haben gefragt: Wie bewerten Sie ihre eigene Schwimmfähigkeit?

Sehr guter Schwimmer sagten 6,1 % der Befragten, guter Schwimmer 22,8 %, durchschnittlicher Schwimmer 47,8 %, als schlechter Schwimmer bezeichneten sich 13,6 % und 9,7 % ?outeten? sich als Nichtschwimmer.

Der Anteil der Nichtschwimmer und schlechten Schwimmer in der Bevölkerung beläuft sich damit auf 23,3 %, annähernd ? der Befragten ist also im Wasser hilflos oder kaum in der Lage, sich selbst zu retten. Bei diesen Menschen ist das Risiko zu ertrinken besonders hoch.

Im Ost-West-Vergleich zeigt sich folgendes Bild: Während die Menschen in Westdeutschland nach eigener Einschätzung zu 77,5 % sehr gut, gut oder durchschnittlich schwimmen können, ermittelte Emnid für die neuen Bundesländer einen Wert von 73,5 %, für Ostdeutschland beläuft sich die Zahl der Nichtschwimmer und schlechten Schwimmer auf 26,5 %, das sind 3,2 % Prozent über dem Bundesergebnis.

Deutlicher ist der Unterschied, wenn wir uns die Schwimmfähigkeit bei Männern und Frauen betrachten: 82 % der Männer  bezeichnen sich als "Schwimmer", aber nur 71,8 % der Frauen. Die ?Risikogruppe? ist beim weiblichen Geschlecht signifikant  größer als bei den Männern. Dass bei den Ertrinkungsfällen die meisten Opfer aber Männer sind, hat aus unserer Sicht zwei Gründe:

  1. Frauen schätzen ihre Leistungsfähigkeit offenbar besser ein und
  2. Sie gehen weniger Schwimmen und sind nicht so risikobereit.

Aufschlussreich sind die Ergebnisse der Verteilung nach dem Merkmal Alter:

92,9 % der 14-29-Jährigen bezeichnen sich als Schwimmer, 87,8 % der 30-39-Jährigen. Nur noch 69,8 % sind es in der Altersklasse 40-49 Jahre, 52,6 % bei den 50-59-Jährigen und nur 44 % bei den Befragten ab 60 Jahren. Die meisten von Ihnen werden sagen, das Ergebnis war zu erwarten, nichts Besonderes.

Genauer betrachtet gibt es einen deutlichen Bruch ab dem 40. Lebensjahr. Bei den Befragen, die heute 40 Jahre und älter sind lässt nach eigenem Bekunden die Schwimmfähigkeit deutlich nach. Ab dem 50. Lebensjahr kann nur noch etwa jeder Zweite schwimmen. Dieses Ergebnis des DLRG Barometers erklärt auch, weshalb ältere Mitbürger heute besonders häufig ertrinken.

Der Bruch ab 40 steht im Zusammenhang mit mit dem Boom beim Bäderbau im Rahmen des Goldenen Plans in den 60er und 70er Jahren. Davon haben die Jüngeren profitiert, die Älteren aber nicht mehr

 

In der Grundgesamtheit wurden nur Personen ab 14 Jahren befragt. Wir wollten natürlich wissen, wie steht es um die Schwimmfähigkeit der jüngeren Kinder. Das Resultat: Der durchschnittliche Anteil der Kinder, die schwimmen können, liegt gerade bei 66,1 %. Das heißt, 2/3 der Generation im schulpflichtigen Alter (bis 18 Jahre) kann schwimmen, allerdings ein Drittel nicht. Nur noch 17,1 % haben nach Angaben der Eltern in der Schule gelernt. Ein riesiges Problem, das auch mit dem Rückgang des schulischen Schwimmunterrichtes zusammen hängt. Der Altersklassenvergleich zeigt, dass die heutige Schülergeneration  weniger schwimmfähig ist, die Schließung von Bädern wirkt sich auch hier aus.

Wir wollten auch wissen, in welchem Alter die Menschen in Deutschland schwimmen lernen. Darauf haben geantwortet:

Bis zum 4. Lebensjahr        6,7 %

5. - 10. Lebensjahr            74,0 % und

5,1 % haben erst nach dem 18. Lebensjahr zum Schwimmen gefunden.

Das Alter, in dem das Schwimmen erlernt wird, liegt zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr, also im Grundschulalter.

Wir haben das Ergebnis noch genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, dass nur 61,4 % der Schülerinnen und Schüler bis zum 8. Lebensjahr schwimmen gelernt haben. Warum, werden Sie fragen?

In den Schulen steht Schwimmunterricht in der Regel erst ab der 3. Klasse auf dem Lehrplan. Dieses Ergebnis bekräftigt unsere Auffassung: Das ist viel zu spät. Die schulische Ausbildung muss früher erfolgen, am besten gleich in der ersten Klasse. Das haben Experten auch in dem ersten "DLRG Symposium Schwimmen" vor über drei Jahren gefordert.

Schwimmen können korreliert eindeutig mit der Schulbildung. Je höher der Abschluss desto größer die Zahl der Schwimmer. Lediglich 51,1 % der Volksschüler ohne Lehre sagen, ich bin ein sehr guter, guter oder durchschnittlicher Schwimmer, bei den Volksschulabsolventen mit Lehre sind es 72,9 %, 80,6 % der Befragten mit mittlerem Bildungsabschluss und 86,7 % der Abiturienten und Studenten können schwimmen.

Das persönliche Urteil über die eigene Schwimmfähigkeit ist natürlich subjektiv. Deshalb wollten wir wissen, wer von den Schwimmern eine Schwimm- oder Rettungsschwimmprüfung abgelegt hat. Das Ergebnis gibt mehr Aufschluss über den Leistungsstand. Besitze ein Schwimmabzeichen sagen 46,3 %, habe ein Rettungsschwimmabzeichen sagen 11,9 % - kein Abzeichen besitzen 43 %. 3,8 % der Schwimmer machten keine Angaben.

Die Grauzone ist mit 43 % sehr groß und lässt die Annahme zu, dass weniger Menschen als bisher vermutet sichere Schwimmer sind.

Ergänzend und außerhalb der empirischen Untersuchung möchte ich Ihnen einen Überblick über die Vergabe der Schwimm- und Rettungsschwimmabzeichen nach Ausbildungsträgern des Jahres 2003 geben:

 

 DLRG   233.750
 DRK 140.000
 DSV   30.000
 BDS   31.000
 Schulen uns sonstige Institutionen 190.000
 Weitere  10.000
 Gesamt:                                                     634.750

Diese Angaben beruhen auf den Zahlen des Bundesverbandes für die Schwimmausbildung (BFS).

Im vergangenen Jahr sind demnach 634.750 Prüfungen testiert worden, wovon die DLRG 1/3 der Prüfungen durchgeführt hat. Damit ist sie in Deutschland auch der größte Schwimmausbilder.

Zurück zur Emnid-Umfrage:

Überraschend ist der Ost-West-Vergleich. Während in Westdeutschland lediglich 44,8 % ein Schwimmabzeichen haben, sind es in Ostdeutschland 52,4 %. Bei den Rettungsschwimmabzeichen zeigt sich das gegenteilige Bild. Im Westen haben 13,2 %, im Osten Deutschlands nur 6,5 % einen Nachweis der Rettungsfähigkeit.

Aufschlussreich ist die Verteilung nach Nielsengebieten, also nach Bundesländern. Das Schlusslicht bei der Vergabe von Abzeichen ist Baden-Württemberg mit 28 %, gefolgt von Bayern mit auch nur 37 %. Drittletzter ist die Region Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland (Nielsen III a) mit 41 %.

Der Süden Deutschlands entpuppt sich als "Abzeichenmuffel".

Meine Damen und Herren,

mein Fazit aus dieser Studie lautet:

Ein Viertel der Bevölkerung kann gar nicht oder nur schlecht schwimmen. Der Stellenwert des Schulschwimmunterrichts ist offenbar deutlich zurückgegangen und ist bisher überschätzt worden. Die fortschreitenden Bäderschließungen wirken sich speziell auf die schwimmerischen Fähigkeiten der gegenwärtigen Schülergeneration negativ aus. Die deutlich geringere Schwimmfähigkeit älterer Menschen zeigt sich heute auch in einer Zunahme der Ertrinkungsfälle.

Bäderschließungen und die Umwandlung von Sportbädern in Spaßbäder ohne Ausbildungsmöglichkeiten sind ein bundesweites Problem. Wir wollten deshalb von den Menschen wissen: Wie wichtig ist Ihnen, dass die Kommunen öffentliche Bäder vorhalten? Das Ergebnis lautet:

47,4 % halten dieses Angebot für sehr wichtig, 39,9 % für wichtig, 7,7 % meinen, es sei weniger wichtig und ganze 4,7 % halten das Angebot für unwichtig. 87,3 % der Befragten halten Schwimmbäder für eine sehr wichtige oder wichtige kommunale Aufgabe.

Das ist ein klares Votum wie es eindeutiger nicht geht. Die Schließung eines Bades zur Haushaltskonsolidierung kommunaler Etats ist gegen die Interessen der Bevölkerung.

Die DLRG hat sich in einer öffentlichen Resolution für den Erhalt der Bäder ausgesprochen. Sie sind die unerlässliche Voraussetzung für die Schwimmausbildung. Wer Bäder schließt, um Kosten zu senken, handelt fahrlässig und verantwortungslos.

Wir sehen in diesem Ergebnis eine Bestätigung unserer Position und verstehen es als Auftrag, unsere Arbeit zum Erhalt kommunaler Bäder auf allen Ebenen fortzusetzen.

Ich danke Ihnen.