Ein Thema, das lange im Hintergrund stand und inzwischen fester Bestandteil der Einsatzrealität ist: die psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E). © Florian Daniels Wenn der Einsatz nachwirkt PSNV-E als Aufgabe der DLRG – auch in Baden-Württemberg Der Einsatz ist beendet, Material und Mannschaft sind wieder einsatzbereit. Und doch gehört noch ein Schritt dazu: das Erlebte einordnen, darüber sprechen, zur Ruhe kommen. Hier setzt die DLRG mit einem Thema an, das lange im Hintergrund stand und inzwischen fester Bestandteil der Einsatzrealität ist: die psychosoziale Notfallver- sorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E). Nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in der gesamten DLRG gewinnt dieser Bereich spürbar an Bedeutung. Die Einsatzzahlen steigen, die Lagen werden komplexer, die Belastungen vielfältiger – nicht zuletzt, weil viele Einsatz- kräfte zusätzlich durch Beruf, Familie und Alltag gefordert sind. Viele Gliederungen entwickeln daher eigene Ansätze oder knüp- fen an bestehende Strukturen an. Ein Beispiel, das Einblick in diese Entwicklung gibt, liefert der Bodenseekreis. Dort fiel 2023 bewusst die Entscheidung, das Thema aktiv an- zugehen. »Frühzeitig hinschauen statt später reagieren«, dieser Ansatz prägte die nächsten Schritte. Parallel zur Suche nach Interessierten wurden Gespräche mit dem im Landkreis bereits etablierten Einsatz-Nachsorge-Dienst geführt. Schnell wurde klar: Es geht nicht um den Aufbau paralleler Strukturen, sondern um sinnvolle Ergänzung. Die DLRG bringt sich seither mit eige- nen Kräften in ein bestehendes, funktionierendes System des Landkreises ein. Anfang 2024 begannen zwei Einsatzkräfte die Ausbildung zum sogenannten Peer. In kompakten, intensiven Wochenendmo- dulen, basierend auf dem Konzept des Critical Incident Stress Management (CISM), ging es um Gesprächsführung, Wahr- nehmung und den sensiblen Umgang mit belastenden Einsatz- erlebnissen. Begleitet von erfahrenen Ausbildern bauten sie dabei nicht nur theoretisches Wissen auf, sondern sammelten II baden + württemberg auch erste praktische Erfahrungen – ein wichtiger Schritt, um Sicherheit im Umgang mit Ausnahmesituationen zu gewinnen. Heute stehen die beiden PSNV-E-Kräfte rund um die Uhr zur Verfügung, anonym erreichbar über eine Notfallnummer oder per E-Mail. Sie sind Ansprechpartner für einzelne Einsatzkräfte, aber auch für Führungskräfte, die im Einsatz einschätzen müs- sen, ob und welche Form der Nachsorge notwendig ist. Wenn ganze Gruppen betroffen sind, greifen die abgestimmten Ab- läufe mit dem Einsatz-Nachsorge-Dienst des Landkreises. Erste Einsätze gab es bereits – oft leise im Hintergrund, aber mit spürbarer Wirkung. Für viele Beteiligte macht es einen gro- ßen Unterschied, ob belastende Erlebnisse unausgesprochen bleiben oder in einem geschützten Rahmen aufgearbeitet wer- den können. Der Blick in den Bodenseekreis zeigt, wie sich PSNV-E prag- matisch und kooperativ in bestehende Strukturen integrieren lässt. Gleichzeitig macht er deutlich: Es geht nicht um ein einzel- nes Projekt, sondern um eine Aufgabe, die die gesamte DLRG betrifft – und in vielen Gliederungen bereits aktiv gestaltet wird. Florian Daniels < Weiterführende Informationen Wie erkenne ich eine besondere Belastung? Was kann ich für mich selbst tun? Wie kann ich belastete Einsatz- kräfte unterstützen? Wo bekomme ich Hilfe? Diese und weitere Fragen beantwortet der Bundesverband mit kon- kreten Ratschlägen auf seiner Website dlrg.de/psnv. Ansprechpartner in den Landesverbänden: Landesverband Baden: psnv@baden.dlrg.de Landesverband Württemberg: psnv@wuerttemberg.dlrg.de