Einmal im Monat treffen sich die Teilnehmenden im Vereinshaus der DLRG Weimar. Dort trinken sie gemeinsam Kaffee, essen Kuchen und sprechen über Themen, die sie beschäftigen. Die Inhalte seien nicht vorgegeben, sondern entstünden gemeinsam auf Augenhöhe. »Wir besprechen regelmäßig: Was wollen wir beim nächsten Mal machen?« So kamen unter anderem Themen wie Betrugsprävention, Pa- tientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder Erste Hilfe im Haus- halt ins Programm. Fachlich unterstützt wird das Projekt durch ein gutes Netzwerk, etwa durch Ärzte, die bereits im Rehasport eingebunden sind. »Unter unseren Themen sind immer wieder welche, die viele sonst vor sich herschieben«, erklärt er. Der Vereinsmittwoch biete einen niedrigschwelligen Zugang, um sich gemeinsam damit auseinanderzusetzen. Bewegung und Begegnung im Verein Das Projekt verbindet verschiedene Angebote miteinander. Frei- tags steht die Bewegung im Vordergrund. Im Rehasport gibt es sowohl Herzsport- als auch orthopädische Gruppen. Trainiert wird im Wasser, ergänzt durch Gymnastik im Außenbereich und freies Schwimmen. Dafür steht für mehrere Stunden die Schwimmhalle in Weimar zur Verfügung. Darüber hinaus orga- nisiert der Verein zweimal im Jahr Wandertage. Die Routen sind bewusst so gewählt, dass möglichst viele teilnehmen können. Werdin erinnert sich: »Zuletzt waren wir 30 bis 35 Leute.« Für ihn ist das eine beachtliche Zahl, gerade im höheren Lebens- alter. Zunehmend probieren die Ehrenamtlichen generationenüber- greifende Ansätze aus. Dazu gehören gemeinsames Plätzchen- backen mit der Jugend, Kuchenbasare bei Wettkämpfen oder die Einbindung älterer Teilnehmender in Seniorenmeisterschaf- ten. Diese vielseitigen Angebote führen dazu, dass das Projekt in den gesamten Verein hineinwirkt. Besonders persönliche Rückmeldungen hinterlassen bei Paul Werdin einen tiefen Eindruck. Er erzählt von Menschen, die nach schweren Einschnitten im Leben den Weg zurück in den Verein finden. Es gab zum Beispiel eine Teilnehmerin, die nach dem Tod ihres Hundes wiederkam, weil sie Ablenkung und Gemein- schaft suchte. Oder da war eine ältere Dame, die jahrelang ihren dementen Mann pflegte und nach seinem Tod im Verein neuen Halt fand. »Man merkt richtig, dass sie bei uns aufblüht«, sagt er. Dass das Engagement wirkt und an den richtigen Stellen ankommt, zeigen ihm genau diese Momente. »Wenn die Leute als Erstes an den Verein denken, wenn sie unter Menschen wollen, dann haben wir offenbar alles richtig gemacht.« Bundesfinale der Sterne des Sports Mit diesem Projekt schaffte es die DLRG Weimar bis ins Bun- desfinale der »Sterne des Sports« 2026. Jedes Jahr zeichnen der Deutsche Olympische Sportbund und die Volksbanken Raiff- eisenbanken das gesellschaftliche Engagement von Sportver- einen aus. Der Wettbewerb würdigt ehrenamtliche Arbeit und zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für freiwilliges Engagement. Die Nominierung kam für Paul überraschend. »Wir sind da nicht mit hohen Erwartungen reingegangen«, sagt er. Das Projekt existierte erst seit zwei Jahren, eine Auszeichnung stand nie im Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder im Vereinshaus zu unterschiedlichen Themen, hier Erste Hilfe. Vordergrund. Umso größer war die Freude, als das Projekt Jury für Jury überzeugte: vom Bronze-Stern auf lokaler Ebene über den Sieg im Thüringer Landesfinale bis hin zur Teilnahme am Bundeswettbewerb. Für Werdin ist die Anerkennung auch eine Würdigung der vielen ehrenamtlichen Stunden, die sich kaum zählen lassen. »Das war schon sehr, sehr schön«, sagt er rück- blickend. Beim zusätzlich ausgelobten Publikumspreis erreichte Paul mit 36 Prozent der Stimmen den zweiten Platz. Nur ein Prozent- punkt trennte ihn vom Sieg. Geärgert hat ihn das nicht: »Im Gegenteil.« Gerade die knappe Entscheidung mache für ihn die Platzierung besonders wertvoll. Die Teilnahme an der Bundes- veranstaltung und die Begegnung mit dem Bundespräsidenten waren eine große Bestätigung für ihn. Der Blick nach vorn Für die Zukunft verfolgt Paul keine großen Ausbaupläne des Projekts. »Wir wollen vor allem das Angebot beibehalten«, sagt er. Schon das sei anspruchsvoll genug. Die größte Herausfor- derung sieht er im Nachwuchs für den Rehasport. Die Ausbil- dung zum Übungsleiter sei umfangreich und zeitintensiv. Gera- de freitags sei es nicht leicht, Ehrenamtliche zu gewinnen. Gleichzeitig ist er davon überzeugt, dass das Projekt langfristig Bestand haben kann, vor allem dank des Vereinshauses als wichtigster Treffpunkt. »Ohne diese Räumlichkeit wäre das alles viel schwieriger«, sagt Werdin. Menschen, die selbst ein soziales Projekt im Verein starten wol- len, rät Paul vor allem eines: zuhören. »Man muss die Welt nicht neu erfinden«, sagt er. Oft reiche es, Bedürfnisse ernst zu neh- men und Raum zu geben. »Wir haben einfach eine Räumlichkeit gestellt und geguckt, was passiert.« Asli Yörükoglu < Bundesfinale der Sterne des Sports in Berlin. © privat magazin 37