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Das Unglück von Binz

Der Auslöser für die Gründung

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verloren etwa fünftausend Menschen pro Jahr im Wasser ihr Leben und nur zwei bis drei Prozent der damaligen Bevölkerung konnten schwimmen. Dennoch: Es bedurfte erst eines spektakulären Ereignisses, um den bereits bestehenden Gedanken zur Gründung einer Lebensrettungsgesellschaft in die Tat umzusetzen.

Am Sonntag, dem 28. Juli 1912 brach gegen 19 Uhr die Anlegestelle am Brückenkopf der Seebrücke in Binz auf Rügen. Über 100 Menschen stürzten ins Wasser und 16 Personen, darunter zwei Kinder, ertranken in der Ostsee.

Ein knappes Jahr später, am 5. Juni 1913, veröffentlichte das amtliche Organ des Deutschen Schwimmverbandes, der "Deutsche Schwimmer", den Aufruf zur Gründung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Am Tag der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals, am 19. Oktober 1913, wird im Leipziger Hotel "de prusse" die DLRG ins Leben gerufen. Zum Ende des Gründungsjahres zählt die junge Organisation 435 Mitglieder, darunter namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Die Dresdner Zeit (1914 - 1924)

Nachdem die Gründungsversammlung bewusst keinen Vorsitzenden bestimmt hat und einen Ausschuss mit der Aufgabe beauftragte, eine hochrangige Persönlichkeit für dieses Amt zu finden, wird der Wirkliche Geheime Rat, Prof. Dr. Adolf Fiedler (Dresden), im Jahr 1914 zum ersten Vorsitzenden der DLRG. Die konstituierende Versammlung hatte den Leipziger Stadtrat und Kgl. Stabsarzt Dr. med. Friedrich E. Hopf zum stellvertretenden Vorsitzenden und den Greifswalder Studenten Walter Bunner zum Geschäftsführer gewählt. Alle drei Personen gehörten auch zu den 48 Unterzeichnern des Gründungsaufrufes.

Die erste Geschäftsstelle der DLRG wird in Dresden eingerichtet, wo sie bis 1924 verbleibt. Die Gründungssatzung der DLRG legt in § 3 Nr. 3 als Zweck die Verbreitung sachgemäßer Kenntnisse und Fertigkeiten in Rettung und Wiederbelebung Ertrinkender fest. Dies soll durch die Veranstaltung von Vorträgen, Vorführungen, Lehrkursen, Prüfungen und Wettbewerben erreicht werden.

Die Ausbildung und Prüfung der Rettungsschwimmer wird unter realen Bedingungen in Flüssen oder Seen durchgeführt. Grundschein, Bronzeplakette und Lehrschein bilden als Qualifikationsstufen das Gerüst des ersten Ausbildungssystems der DLRG.

Bereits im August 1913 hatte das Gründungsmitglied Fritz Peter in Stuttgart Bad Cannstatt den ersten Rettungsschwimm-Kurs abgehalten. Der Erste Weltkrieg und die Wirren der Nachkriegszeit verhinderten eine kontinuierliche Entwicklung der Organisation, und die lückenhafte historische Quellenlage lässt nur sehr begrenzt Rückschlüsse auf das erste Jahrzehnt der DLRG zu. Dokumente belegen aber, dass im April 1920 Dr. Hopf das Amt des Vorsitzenden bekleidete.

Eine Statistik aus dem Jahr 1922 weist die Ausgabe von insgesamt 7997 Grundscheinen, 2038 Bronzeplaketten und 676 Lehrscheinen aus. Seit dem 14. April 1922 wird als weiterer Zweck der Gesellschaft in § 3 unter Ziffer 6 die Einrichtung von Schwimmrettungs-Wachdiensten in der Satzung ergänzt. Damit ist nun neben der Prävention durch Ausbildung auch der Wasserrettungsdienst Satzungsaufgabe im Kampf gegen den Ertrinkungstod.

Durch den Ausbruch der Inflation gerät auch die DLRG in eine existenzbedrohende Krise.

Die Berliner Zeit (1925 - 1945)

Mit einer ersten öffentlichen Versammlung Anfang 1925 im Berliner Rathaus macht die DLRG einen neuen Anfang. Der Präsident des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen Dr. Theodor Lewald übernimmt die Schirmherrschaft über die DLRG. Das Gründungsmitglied Georg Hax wird zum Vorsitzenden und der Geschäftsführer der Deutschen Turnerschaft Franz Breithaupt zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Hauptgeschäftsstelle wird von Dresden in die Bülowstraße 18/III nach Berlin verlegt. In den späten zwanziger Jahren erlebt die D.L.R.G. einen großen Aufschwung. Der Rettungsgedanke nimmt Einzug in Sportvereinen, Schulen, Polizei und Feuerwehren. Das Rettungsschwimmen wird in den Dienstplan der Reichswehr eingeführt.

Ende 1930 entstehen die D.L.R.G.-Landesverbände "Reichsheer" und "Reichsmarine". Die Hauptversammlung im Königsberg 1931 ist die letzte, die die D.L.R.G. für die kommenden 14 Jahre ohne politische Zwänge gestalten kann. Im September 1933 erfolgt die Gleichschaltung der D.L.R.G. Sie wird durch die Eingliederung in das Fachamt V (Schwimmen) im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen dem Zuständigkeitsbereich des Reichssportführers unterstellt.

Die D.L.R.G.-Führung setzt die Vorgaben der neuen Machthaber durch eine im Deutschen Schwimmerblatt veröffentlichte Anordnung um. Nationalsozialistisches Gedankengut fließt in die Arbeit ein. In der neuen Satzung vom 9. Juni 1934 versteht sich die D.L.R.G. als eine selbständige, nationale, gemeinnützige Wohlfahrtseinrichtung zur Erhaltung und Stärkung der deutschen Volkskraft und Wehrfähigkeit, die den Ertrinkungstod bekämpft.

In der Zeit von 1925 - 1936 erlebt die Ausbildungsarbeit mit 412.883 abgenommenen Prüfungen einen enormen Aufschwung. Auf der Reichstagung in Jena 1938 wird die Umbenennung der Organisation in Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft beschlossen. Ihr gehören zu diesem Zeitpunkt 27 Landesverbände an. 1942 vollzieht sich an der Spitze der D.L.R.G. ein Wechsel: Georg Hax tritt nach 17 Jahren vom Amt des D.L.R.G.-Führers - so die nationalsozialistische Terminologie für den Vorsitzenden - zurück. Nachfolger wird sein Stellvertreter Franz Breithaupt, der 1944 zum SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS befördert wurde. Der Zusammenbruch im Mai 1945 bedeutet auch für die D.L.R.G. eine nachhaltige Zäsur.

Neubeginn und Aufbauphase (1946 - 1959)

Bereits 1946 wurde in den britisch und amerikanisch besetzten Zonen wieder mit der aktiven DLRG Arbeit begonnen. In der sowjetischen Zone kann die Arbeit hingegen nicht mehr fortgesetzt werden, und auch in der ehemaligen DDR bleibt der DLRG die Anerkennung bis zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1990 versagt.

Vom 31. Mai bis 1. Juni 1947 findet in Wiesbaden eine erste Versammlung von sieben DLRG-Landesverbänden statt. Die Teilnehmer beschließen, die 1938 vorgenommene Umbenennung des Verbandes in Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft wieder rückgängig zu machen. Von nun an trägt die humanitäre Organisation wieder ihren ursprünglichen Namen Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Diese Änderung wird durch die DLRG-Hauptversammlung am 16. Oktober 1948 in Göttingen in der neuen Satzung verankert. Auf der Frankfurter Hauptversammlung, Anfang April 1950, an der bereits wieder elf Landesverbände teilnehmen, wird der Kieler Polarforscher Dr. Max Grotewahl zum ersten Nachkriegspräsidenten der DLRG gewählt. Er bleibt ein Jahr im Amt. Zum Ende des Jahres zählt die DLRG bereits über 28.000 Mitglieder.

Auf der Haupttagung in Hannover im September 1951 führt die DLRG den Jugend-Schwimmpass als allgemeines Schwimmzeugnis für die Jugend ein. Er umfasst das Frei- und Fahrtenschwimmerzeugnis und den Jugendschwimmschein.

1955 übernimmt der damalige Präsident des Deutschen Sportbundes und spätere NOK-Präsident, Willi Daume, die Schirmherrschaft über die DLRG. Seit diesem Jahr weitet die DLRG ihren regelmäßigen Wasserrettungsdienst, der sich bis dahin auf die Binnengewässer beschränkte, auch auf die Küsten der Nord- und Ostsee aus.

Im Mai 1957 wird die zunächst selbstständige Saarländische Lebens-Rettungs-Gesellschaft (SLRG) als 14. Landesverband in die DLRG aufgenommen.

1958 beginnt in Bremen mit dem ersten bundesweiten Bootsführerlehrgang das heute umfangreiche Angebot der DLRG an Spezialausbildungen für ihre Einsatzkräfte. Im darauffolgenden Jahr richtet die DLRG erstmalig die internationalen Rettungswettkämpfe der Fédération Internationale de Sauvetage aquatique (FIS), des ersten Weltverbandes der nationalen Wasserrettungsorganisationen, dessen Mitglied die DLRG seit 1951 ist, in Wiesbaden aus.

Der Aufschwung und die "goldenen" Jahre (1960 - 1980)

In diesen zwei Jahrzehnten erlebt die DLRG einen ungeahnten Aufschwung. Die Zahl der Mitglieder steigt von 138.627 im Jahr 1960 auf 474.448 im Jahr 1980. In dieser Zeit erstehen in vielen Städten und Gemeinden neue Hallen- und Freibäder, der Goldene Plan machte es möglich. Davon profitierte auch die DLRG. Die Zahl der Schwimm- und Rettungsschwimmprüfungen nahm ständig zu und erreichte Mitte der siebziger Jahre mit über 1,5 Millionen Prüfungen pro Jahr ihren Höhepunkt.

Eine große Bewährungsprobe hatten die Landesverbände Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bei der großen Sturmflutkatastrophe an der Nordseeküste am 16. Februar 1962 zu bestehen. Wenige Monate später beschloss die Bundestagung die Gründung eines eigenen Jugendverbandes (DLRG-Jugend) für das gesamte Bundesgebiet. Mit dem Erwerb des Gebäudes Alfredstraße 73 in Essen war die Bundesgeschäftsstelle der DLRG für 33 Jahre in der Ruhrmetropole beheimatet.

1963 erscheint in Zusammenarbeit mit dem WDV-Wirtschaftsdienst die Erstausgabe des DLRG-Wandkalenders, das älteste noch heute existierende Werbemittel der DLRG. Mit dem Jahr 1965 wurde das Kleinkinderschwimmen stark intensiviert, um weitere vorbeugende Maßnahmen gegen den Ertrinkungstod anzubieten. Bei den 20. Olympischen Sommerspielen 1972 in München übernahm die DLRG die Sicherung der Ruder- und Kanuwettbewerbe sowie des Wasserski-Demonstrationswettbewerbs auf der Kieler Förde. Im darauffolgenden Jahr wurde im Rahmen des 60-jährigen Jubiläums in Berlin die Bundes Lehr- und Forschungsstätte (BLFS) eingeweiht. Ein Kernstück der BLFS ist auch heute noch ein Tauchturm, kombiniert mit einer medizinischen Überwachungseinrichtung, der simulierte Tauchtiefen bis zu 140 Metern zulässt und auch zur medizinischen Behandlung von Tauchunfällen genutzt wird.

Im Jahr 1975 bestätigt die Bundesregierung offiziell die allgemeine Eignung der DLRG zur Mitwirkung im erweiterten Katastrophenschutz.

1976 erfolgt die Aufnahme der DLRG als Vollmitglied (Spitzenverband) im Deutschen Sportbund (DSB). Die Verbindung von Humanität und Sport, in dieser Form einmalig für einen Spitzenverband im Sport, wurde zur Richtschnur ihres weiteren Handelns. Im selben Jahr verabschiedet die DLRG eine neue Prüfungsordnung "Schwimmen-Retten-Tauchen", die zwei Jahre später auch von der ständigen Konferenz der Kultusminister auf besondere Initiative der DLRG anerkannt wird und damit in der Bundesrepublik die Schwimmqualifikationen, Prüfungen einschließlich der entsprechenden Abzeichen in den schwimmsporttreibenden Verbänden und für den gesamten Schulbereich vereinheitlicht. 1978 wird der Verband auch Vollmitglied in der World Life Saving (WLS), der zweiten Welt-Wasserrettungsorganisation, die ihren Verbreitungsschwerpunkt im asiatisch-pazifischen Raum hat.

1980 - 2003: Wiedervereinigung und Strukturprozess

Nach Willi Daume übernimmt mit Prof. Dr. Karl Carstens 1983 erstmalig der Bundespräsident die Schirmherrschaft über die DLRG. Er begründet damit eine Tradition, die bis zum heutigen Tag fortbesteht. Im selben Jahr übernimmt der ausscheidende Präsident der DLRG, Prof. Dr. Josef N. Schmitz, das Amt des FIS-Präsidenten, Generalsekretär des Weltverbandes wird DLRG-Vizepräsident Klaus Bartnitze. Einer repräsentativen Emnid-Umfrage zufolge kennen vier von fünf Bundesbürgern die DLRG und wissen, welche Organisation sich hinter der Buchstabenfolge verbirgt. 97% der Befragten waren mit der Arbeit der Lebensretter zufrieden.

Nach dem plötzlichen Tod von Prof. Schmitz wird Klaus Bartnitzke 1985 zum neuen Präsidenten der FIS gewählt. Zum Generalsekretär wählen die Delegierten den langjährigen Technischen Leiter der DLRG, Dr. Klaus Wilkens.

Mitte der achtziger Jahre intensiviert die DLRG die Kooperation mit Wirtschaftspartnern. Mit der Barmer Ersatzkasse startet sie 1986 die neue bundesweite Breitensportaktion "Badeparty". Die DLRG-Verlag und Vertriebsgesellschaft (DVV) bildet ab 1987 eine erste eigene Wirtschaftsgesellschaft zur steuerrechtlich notwendigen Ausgliederung von Sponsoring. Höhepunkt des Jahres ist die 23. Weltmeisterschaft der FIS im Rettungsschwimmen, die die DLRG in Warendorf ausrichtet und an der sich 19 Nationen beteiligen. Mit fünf Gold-, fünf Silber- und zwei Bronzemedaillen gewinnt das DLRG-Team vor Italien und Polen die Nationenwertung.

DLRG-NIVEA-Strandfest

Im darauffolgenden Jahr wird die bereits in den sechziger Jahren begründete Zusammenarbeit mit der Beiersdorf AG, Hamburg, auf der Basis eines gemeinsamen Marketingkonzeptes auf eine neue Grundlage gestellt. In 25 Badeorten an Nord- und Ostsee veranstalten DLRG-Animateure, unterstützt durch das Beiersdorf-Spitzenprodukt NIVEA, während der Sommerferien die erste Strandfest-Tournee.

Ein Jahr später wird in Hamburg erstmalig der Deutsche Wasserrettungspreis NIVEA Delfin verliehen.

1990: Die politische Wende in der DDR und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten bietet auch für die DLRG eine große Chance. Nach 45 Jahren entstehen wieder Gliederungen in den ostdeutschen Ländern. Bereits am 5. Februar 1990 wird in Stralsund die erste Ortsgruppe der DLRG gegründet. Im Herbst folgen die Landesverbände Brandenburg (22.9.), Mecklenburg-Vorpommern (29.9.) und Sachsen (10.11.). Der LV Thüringen wird am 19.1. und Sachsen-Anhalt am 22.2.1991 aus der Taufe gehoben. Das Gebiet des früheren Ostberlin wird in den Landesverband Berlin integriert.

Höhepunkt des Jahres 1990 ist zweifellos die "Rescue 90" mit dem Weltkongress und den Weltmeisterschaften im Rettungsschwimmen in Lübeck/Travemünde. Im Rahmen der Veranstaltung vereinbaren die beiden Weltverbände FIS und WLS die Bildung einer paritätisch besetzten Satzungskommission, die eine Fusion beider Organisationen vorbereiten soll. An der Bundestagung 1992 in Friedrichshafen nehmen erstmalig wieder Delegierte der fünf neuen Landesverbände teil. Sie beschließt ein Aufbau- und Förderprogramm Ost, das bis heute fortbesteht.

Am 16. Januar 1993 eröffnet die DLRG in der Storkower Straße 118 in Ost-Berlin ein Bundesbüro, zu dem auch ein Büro der DLRG-Jugend gehört, um den Aufbau des Verbandes in den neu gegründeten Landesverbänden aktiv zu unterstützen. Mit einem besonderen Festakt feiert die DLRG in diesem Jahr an ihrem Gründungsort Leipzig ihr 80-jähriges Bestehen. Anlässlich der Rescue 1994 in England schließen sich die Weltverbände FIS und WLS zum neuen Weltverband, der International Life Saving Federation (ILS) zusammen. Als größte nationale Wasserrettungsorganisation der Welt übernimmt die DLRG führende Aufgaben und Ämter sowohl in der Weltorganisation als auch im europäischen Regionalverband ILSE. Die DLRG wird 1994 als gleichberechtigtes Vollmitglied in die Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH) aufgenommen. 1995 übernimmt sie den Gebäudekomplex der ehemaligen Katastrophenschutzschule des Landes Niedersachsen und verlegt den Sitz der Bundesgeschäftsstelle von Essen nach Bad Nenndorf. Mit der Gründung der DLRG Bildungsgesellschaft (DBG) und umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen im neuen Bundeszentrum schafft sie in der Folgezeit das Fundament für ein zukunftsorientiertes verbandsweites Bildungswerk, das sich die Weiterbildung und Qualifizierung der ehrenamtlichen Mitglieder zum Ziel gesetzt hat.

Im Juli 1997 überschwemmt das Oderhochwasser weite Teile Sachsens und Brandenburgs. In Zusammenarbeit mit Bundeswehr, Bundesgrenzschutz und den anderen Hilfsorganisationen gelingt es den Fachleuten der DLRG, zahlreiche Menschenleben zu retten und durch den Einsatz ihrer Taucher, Bootsführer und Rettungsschwimmer beispielsweise durch wasserseitige Deichsicherungsmaßnahmen größere Hochwasserschäden zu verhindern.

Im selben Jahr leitet die DLRG einen verbandsweiten Prozess über die künftigen Aufgaben, Ziele und Strukturen des Verbandes ein, der vier Jahre dauern sollte. Die Bundestagung 2001 bestätigte einmütig die Ergebnisse des Organisationsentwicklungsprozesses. Als Kernaufgaben der zukünftigen Arbeit wurden die traditionellen Schwerpunkte fortgeschrieben:

  1. Die Aufklärung der Bevölkerung über Gefahren im und am Wasser,
  2. die Ausbildung im Schwimmen und Rettungsschwimmen,
  3. der Wasserrettungsdienst einschließlich der Mitwirkung im Rahmen der Rettungsdienstgesetze und im Katastrophenschutz

Darüber hinaus beschloss die Bundestagung in einer Leitidee ein zukunftsorientiertes Ziel:

Die Halbierung der Ertrinkungszahlen bis zum Jahr 2020.

 

Anknüpfend an diese einvernehmliche Neuorientierung wurde auch ein neues Corporate Design verabschiedet, das die kommunikativen Grundlagen für diese "neue DLRG" schafft. Mit rund 770.000 ehrenamtlichen Mitgliedern und Förderern erzielt die DLRG am Ende des Jahres 2001 ein neues Rekordergebnis. Die Mitte der neunziger Jahre begonnene Einführung moderner Instrumente der Verbandsfinanzierung zeigen zunehmende Erfolge, wie etwa die Aktivitäten in der Förderer-Gewinnung und anderen Formen des Fundraising und entlasten dadurch die bislang stark beitragsabhängige Finanzierung.

Das Jahr 2002 bescherte der DLRG den größten Einsatz in der Verbandsgeschichte: 4.500 Helferinnen und Helfer waren bei den Hochwasserlagen in Bayern sowie an der Elbe und ihren Nebenflüssen im Einsatz. Sie retteten zahlreiche Menschen vor dem Tod durch Ertrinken und verhinderten durch deichsichernde Maßnahmen - wie bereits bei dem Oderhochwasser - weitere Überflutungen. So konnten Sachwerte in Millionenhöhe vor der Zerstörung bewahrt werden.

Am Beginn des Jubiläumsjahres kann die DLRG auf eine erfolgreiche Bilanz ihrer ehrenamtlichen Arbeit vorweisen:

Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 ist es gelungen, die jährliche Ertrinkungszahl um fast 90 Prozent zu senken und durch eine qualifizierte kontinuierliche Ausbildungsarbeit sowie die Förderung des Schulschwimmens, die Zahl der Schwimmer von etwa drei auf 80 Prozent der Bevölkerung zu steigern. Dieses weltweit einmalige System aus Aufklärung, Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung und Wasserrettungsdienst auf ehrenamtlicher Basis hat Deutschland zu einer der führenden Nationen in der Welt in Sachen Wassersicherheit werden lassen.