Kontakt

Nimm Kontakt auf

Vollständige Liste der Ansprechpartner der DLRG findest du hier.

Chat-Icon

Chatten

Hier treffen sich DLRG-Mitglieder und Interessierte aus ganz Deutschland.

Kontakt-Icon

Kontakt

Schreib uns eine E-Mail mit Fragen, Kommentaren oder Feedback.

Newsletter-Icon

Newsletter

Melde dich zu unserem Newsletter an!

Das Unglück von Binz

Der Auslöser für die Gründung

Seit Anbeginn der Menschheit stellt Wasser eine natürlich Grenze dar. Während bis zum Ende des Mittelalters die Menschen viel und gerne baden, gilt es in der Neuzeit bis in das 19. Jh. hinein als verpönt. So ist es kein Wunder, dass kaum einer schwimmen kann. Der preußische General Ernst Heinrich Adolf von Pfuel ist der Erste, der gegen diesen Missstand vorgeht. In seiner Flußbadeanstalt in Berlin bringt er seit 1817 den Menschen das von ihm entwickelte Brustschwimmen bei. Er hat sich die Technik von den Fröschen abgeschaut. Er veranlasst, dass alle Soldaten das Schwimmen lernen sollen und bringt es auch den Zivilisten bei. Erst lässt er seine Schwimmschüler auf einem Hocker am Beckenrand üben, später führt er sie an einer Angel durch das Wasser. Er veranstaltet auch die ersten Deutschen Schwimmmeisterschaften in Berlin. Nicht nur in der Schwimm- und Lehrtechnik, auch bei der Konstruktion von Badeanstalten und der Zertifizierung seiner Schwimmschüler war er Wegweisend. Dennoch können bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein lediglich zwei bis drei Prozent der Bevölkerung schwimmen. Jahr für Jahr ertrinken etwa 5.000 Menschen im deutschen Reich. Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert gründen engagierte Schwimmerinnen und Schwimmer vielerorts Schwimmvereine. Sie widmen sich der Ausbildung von Schwimmerinnen und Schwimmern. Auch Übungen des Rettungsschwimmens gehören zum Vereinsleben. An eine Lebensrettungsgesellschaft ist in diesem Moment jedoch nicht zu denken.

Doch wie so oft sind es Ereignisse, die Anstöße zum Umdenken geben. Ein solches Ereignis ist das Seebrückenunglück von Binz. Am Abend des 28. Juli 1912 stehen hunderte Menschen auf der Seebrücke und warten gespannt auf die Ankunft der Fähre „Wilhelm“. Durch die Last der Menschen brechen Teile der Seebrücke ein, über 100 Menschen stürzen ins Wasser. 16 Personen, darunter zwei Kinder, ertrinken in der Ostsee. Nur einige wenige Anwesende, hauptsächlich Soldaten der Marine, können überhaupt schwimmen und retten vielen Menschen das Leben.

Ein knappes Jahr später, am 5. Juni 1913, veröffentlicht das amtliche Organ des Deutschen Schwimmverbandes, der „Deutsche Schwimmer“, einen Aufruf zur Gründung einer Lebensrettungs-Gesellschaft. Nach dem Vorbild der Londoner Royal Life Saving Society soll das „Retten lernen!“ das Ziel der Gesellschaft sein. Die Engländer sind über das gesamte 19. Jahrhundert hinweg Vorbilder im Sport. Zu den 13 Unterzeichnern gehört auch der bekannte Heidelberger Sportschriftsteller Walter Mang, welcher sich seit Jahren für die Etablierung einer solchen Gesellschaft einsetzt. Gemeinsam mit dem Greifswalder Studenten Walter Bunner baut er bereits im Vorfeld eine eigenständige Rettungsabteilung beim Deutschen Schwimmverband auf. Bunner und Mang können als die Initiatoren für die Gründung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft angesehen werden.

Der Aufruf bleibt nicht ungehört. Am 19. Oktober 1913 wird die DLRG im Leipziger Hotel „de prusse“ ins Leben gerufen. Am Ende des Gründungsjahres zählt die junge Organisation 435 Mitglieder, darunter namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und zahlreiche Schwimmvereine aus dem gesamten Deutschen Reich.

Die Dresdner Zeit (1914 - 1924)

Die Gründungsversammlung wählt bewusst keinen Vorsitzenden. Die Mitglieder beauftragen einen Ausschuss, der eine hochrangige Persönlichkeit für dieses Amt finden soll. Dieser schlägt den Wirklich Geheimen Rat, Prof. Dr. Adolf Fiedler aus Dresden für dieses Amt vor. Er wird 1914 zum Vorsitzenden der der DLRG gewählt. Sein Stellvertreter ist der Leipziger Stadtrat und Königlicher Stabsarzt Dr. med. Friedrich E. Hopf. Zum Geschäftsführer wählt die Versammlung den Greifswalder Studenten Walter Bunner.

Die erste Geschäftsstelle der DLRG wird in Dresden eingerichtet. Dort verbleibt sie bis 1924. Als Zweck des Vereins verzeichnet die Gründungssatzung die Verbreitung sachgemäßer Kenntnisse und Fertigkeiten in Rettung und Wiederbelebung Ertrinkender. Dies soll durch die Veranstaltung von Vorträgen, Vorführungen, Lehrkursen, Prüfungen und Wettbewerben erreicht werden.

Die Ausbildung und Prüfung der Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer wird unter realen Bedingungen in Flüssen oder Seen durchgeführt. Grundschein, Bronzeplakette und Lehrschein bilden das Gerüst des ersten Ausbildungssystems der DLRG. Bereits im August 1913 hält das Gründungsmitglied Fritz Peter in Stuttgart Bad Cannstatt den ersten Rettungsschwimm-Kurs ab.

Kurz nach der Gründung muss der Verein seine erste Belastungsprobe bestehen. Während des Ersten Weltkrieges liegt das Vereinsleben an den meisten Orten brach, viele Mitglieder fallen an der Front oder sterben durch Hunger, Kälte und Krankheit. Eine kontinuierliche Entwicklung der Organisation ist nicht denkbar. Die wenigen überlieferten Dokumente belegen letztlich, dass Dr. Hopf das Amt des Vorsitzenden im April 1920 bekleidete.

Doch bald nehmen die Vereine vor Ort und auch die Gesellschaft wieder ihre Arbeit auf. Eine Statistik aus dem Jahr 1922 weist die Ausgabe von insgesamt 7.997 Grundscheinen, 2.038 Bronzeplaketten und 676 Lehrscheinen aus. Seit dem 14. April 1922 wird als weiterer Zweck der Gesellschaft die Einrichtung von Schwimmrettungs-Wachdiensten in der Satzung ergänzt. Fortan ist auch der Wasserrettungsdienst Satzungsaufgabe im Kampf gegen den Ertrinkungstod. Doch die Inflation bringt die Gesellschaft erneut an den Rand ihrer Existenz.

Die Berliner Zeit (1925 - 1945)

Erst Anfang 1925 unternimmt die DLRG im Berliner Rathaus einen neuen Anlauf. In einer öffentlichen Veranstaltung wird das Gründungsmitglied der DLRG und bekannte Schwimmsportler Georg Hax zum Vorsitzenden gewählt. Die Anwesenden wählen den Geschäftsführer der Deutschen Turnerschaft Franz Breithaupt zu seinem Stellvertreter. Die Geschäftsstelle wird von Dresden nach Berlin in die Bülowstraße 18/III verlegt. In den späten zwanziger Jahren erlebt die DLRG einen großen Aufschwung. Der Rettungsgedanke nimmt Einzug in Sportvereinen, Schulen, Polizei, Feuerwehren und wird in den Dienstplan der Reichswehr eingeführt.

Ende 1930 entstehen die Landesverbände „Reichsheer“ und „Reichsmarine“. Die Hauptversammlung im Königsberg 1931 ist die letzte, die die DLRG für die kommenden 14 Jahre ohne politische Zwänge gestalten kann. Die Zeit des Nationalsozialismus ändert auch die Rahmenbedingungen der DLRG. Im September 1933 erfolgt die Gleichschaltung der Gesellschaft durch Eingliederung in das Fachamt V (Schwimmen) im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen. Sie wird dem Zuständigkeitsbereich des Reichssportführers unterstellt.

Die DLRG-Führung setzt die Vorgaben der neuen Machthaber durch eine im Deutschen Schwimmerblatt veröffentlichte Anordnung um. Nationalsozialistisches Gedankengut fließt in die Arbeit ein. In der neuen Satzung vom 9. Juni 1934 versteht sich die DLRG als eine selbständige, nationale, gemeinnützige Wohlfahrtseinrichtung zur Erhaltung und Stärkung der deutschen Volkskraft und Wehrfähigkeit, die den Ertrinkungstod bekämpft.

In der Zeit von 1925 bis 1936 erlebt die Ausbildungsarbeit mit 412.883 abgenommenen Prüfungen einen enormen Aufschwung. Die Arbeit der DLRG wird in das nationalsozialistische Gedankengut eingepasst. Auf der Reichstagung in Jena 1938 wird die Umbenennung der Organisation in Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft beschlossen.

1942 vollzieht sich an der Spitze der DLRG ein Wechsel: Georg Hax tritt nach 17 Jahren vom Amt des DLRG-Führers - so die nationalsozialistische Terminologie für den Vorsitzenden - zurück. Franz Breithaupt, seit 1944 SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, wird sein Nachfolger. Bis kurz vor dem Ende des Krieges finden vielerorts noch Grundscheinprüfungen statt. Der Zusammenbruch Deutschen Reiches im Mai 1945 bedeutet für die DLRG eine nachhaltige Zäsur.

Die Rolle der DLRG im System des Nationalsozialismus bedarf einer stringenten und ordentlichen Aufarbeitung. Aus dieser Zeit stehen nur wenige Dokumente für die Forschung zur Verfügung. Einblicke in den Verband gewähren uns u. a. verschiedene Publikationen. Jedoch spiegeln diese oft nicht das Vereinsleben vor Ort und die verbandsinternen Diskussionen wieder. Insbesondere die handelnden Personen müssen wir aus gegenwärtiger Perspektive hinsichtlich ihrer Rolle im Verein als auch in den Strukturen des Nationalsozialismus bewerten.

Vor kurzem konnte ein Aktenbestand aus der Zeit von 1933 bis 1945 ausfindig gemacht werden. Dieser wird derzeit konservatorisch behandelt und steht danach der Forschung – sowohl vereinsinterner als auch externer – zur Verfügung. Durch diesen Bestand erhoffen wir uns Einblicke, welche uns eine Einordnung der DLRG in das damalige System ermöglichen.

Neubeginn und Aufbauphase (1946 - 1959)

Bereits 1946 nehmen die Mitglieder der DLRG ihre Arbeit in der britisch und amerikanisch [französischen?] besetzten Zone wieder auf. In der sowjetischen Besatzungszone hingegen kann die Arbeit nicht mehr fortgesetzt werden. Auch in der DDR bleibt der DLRG die Anerkennung bis zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1990 versagt. Die Rolle der DLRG in der DDR übernimmt die Wasserrettung des DRK der DDR.

Vom 31. Mai bis 1. Juni 1947 findet in Wiesbaden eine erste Versammlung von sieben Landesverbänden statt. Die Teilnehmer machen die 1938 vorgenommene Umbenennung des Verbandes in Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft wieder rückgängig. Von nun an trägt die humanitäre Organisation wieder ihren ursprünglichen Namen Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Diese Änderung wird durch die DLRG-Hauptversammlung am 16. Oktober 1948 in Göttingen in der neuen Satzung verankert. Auf der Frankfurter Hauptversammlung, Anfang April 1950, an der bereits wieder elf Landesverbände teilnehmen, wird der Kieler Polarforscher Dr. Max Grotewahl zum ersten Nachkriegspräsidenten der DLRG gewählt. Er bleibt ein Jahr im Amt. Zum Ende des Jahres zählt die DLRG bereits über 28.000 Mitglieder.

Auf der Haupttagung in Hannover im September 1951 führt die DLRG den Jugend-Schwimmpass als allgemeines Schwimmzeugnis für die Jugend ein. Er umfasst das Frei- und Fahrtenschwimmerzeugnis und den Jugendschwimmschein.

Seit dem Jahr 1955 weitet die DLRG ihren regelmäßigen Wasserrettungsdienst, der sich bis dahin auf die Binnengewässer beschränkte, auch auf die Küsten der Nord- und Ostsee aus. Nur drei Jahre später beginnt in Bremen mit dem ersten bundesweiten Bootsführerlehrgang das heute umfangreiche Angebot der DLRG an Spezialausbildungen für ihre Einsatzkräfte. Im darauffolgenden Jahr richtet die DLRG erstmalig die internationalen Rettungswettkämpfe der Fédération Internationale de Sauvetage aquatique (FIS), des ersten Weltverbandes der nationalen Wasserrettungsorganisationen, dessen Mitglied die DLRG seit 1951 ist, in Wiesbaden aus.

Der Aufschwung und die "goldenen" Jahre (1960 - 1980)

In diesen zwei Jahrzehnten erlebt die DLRG einen ungeahnten Aufschwung. Die Zahl der Mitglieder steigt von 138.627 im Jahr 1960 auf 474.448 im Jahr 1980. In dieser Zeit erstehen in vielen Städten und Gemeinden neue Hallen- und Freibäder, der Goldene Plan machte es möglich. Davon profitiert auch die DLRG. Die Zahl der Schwimm- und Rettungsschwimmprüfungen nimmt ständig zu und erreicht Mitte der siebziger Jahre mit über 1,5 Millionen Prüfungen pro Jahr ihren Höhepunkt.

Eine Bewährungsprobe haben die Landesverbände Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bei der Sturmflutkatastrophe an der Nordseeküste am 16. Februar 1962 zu bestehen. Diese und viele weitere Erfahrungen im Bereich des Katastrophenschutzes führen dazu, dass die Bundesregierung im Jahr 1975 die allgemeine Eignung der DLRG zur Mitwirkung im Katastrophenschutz bestätigt.

Ebenfalls im Jahr 1962 beschließt die Bundestagung die Gründung eines eigenen Jugendverbandes (DLRG-Jugend) für das gesamte Bundesgebiet.

Mit dem Erwerb des Gebäudes Alfredstraße 73 in Essen ist die Bundesgeschäftsstelle der DLRG für 33 Jahre in der Ruhrmetropole beheimatet. Eine weitere Immobilie bezieht die DLRG ca. 10 Jahre später. Im Rahmen des 60-jährigen Jubiläums in Berlin weihen die Anwesenden die Bundes Lehr- und Forschungsstätte (BLFS) ein. Bis heute ist der Tauchturm in Kombination mit den medizinischen Überwachungseinrichtung ein Kernstück dieser Anlage. In diesem Turm können Tauchtiefen bis zu 140 Metern simuliert werden.

Um weitere vorbeugende Maßnahmen gegen den Ertrinkungstod anzubieten, intensiviert die DLRG im Jahr 1965 ihre Tätigkeiten im Bereich des Kleinkinderschwimmens.

1976 erfolgt die Aufnahme der DLRG als Vollmitglied (Spitzenverband) im Deutschen Sportbund. Die Verbindung von Humanität und Sport, in dieser Form einmalig für einen Spitzenverband im Sport, werden zur Richtschnur ihres weiteren Handelns. Im selben Jahr verabschiedet die DLRG eine neue Prüfungsordnung "Schwimmen-Retten-Tauchen". Diese erkennt zwei Jahre später auch die ständigen Konferenz der Kultusminister auf besondere Initiative der DLRG an. Damit trägt die DLRG einen großen Anteil an der Vereinheitlichung der Schwimmqualifikationen, ihrer Prüfungen und Abzeichen in den schwimmsporttreibenden Verbänden und im Schulbereich.

1978 wird der Verband auch Vollmitglied in der World Life Saving (WLS), der zweiten Welt-Wasserrettungsorganisation, die ihren Verbreitungsschwerpunkt im asiatisch-pazifischen Raum hat.

1980 - 2003: Wiedervereinigung und Strukturprozess

Nach Willi Daume übernimmt mit Prof. Dr. Karl Carstens 1983 erstmalig der Bundespräsident die Schirmherrschaft über die DLRG. Er begründet damit eine Tradition, die bis zum heutigen Tag fortbesteht. Im selben Jahr übernimmt der ausscheidende Präsident der DLRG, Prof. Dr. Josef N. Schmitz, das Amt des FIS-Präsidenten, Generalsekretär des Weltverbandes wird DLRG-Vizepräsident Klaus Bartnitze. Einer repräsentativen Emnid-Umfrage zufolge kennen vier von fünf Bundesbürgern die DLRG und wissen, welche Organisation sich hinter der Buchstabenfolge verbirgt. 97% der Befragten waren mit der Arbeit der Lebensretter zufrieden.

Nach dem plötzlichen Tod von Prof. Schmitz wird Klaus Bartnitzke 1985 zum neuen Präsidenten der FIS gewählt. Zum Generalsekretär wählen die Delegierten den langjährigen Technischen Leiter der DLRG, Dr. Klaus Wilkens.

Mitte der achtziger Jahre intensiviert die DLRG die Kooperation mit Wirtschaftspartnern. Mit der Barmer Ersatzkasse startet sie 1986 die neue bundesweite Breitensportaktion "Badeparty". Die DLRG-Verlag und Vertriebsgesellschaft (DVV) bildet ab 1987 eine erste eigene Wirtschaftsgesellschaft zur steuerrechtlich notwendigen Ausgliederung von Sponsoring. Höhepunkt des Jahres ist die 23. Weltmeisterschaft der FIS im Rettungsschwimmen, die die DLRG in Warendorf ausrichtet und an der sich 19 Nationen beteiligen. Mit fünf Gold-, fünf Silber- und zwei Bronzemedaillen gewinnt das DLRG-Team vor Italien und Polen die Nationenwertung.

DLRG-NIVEA-Strandfest

Im darauffolgenden Jahr wird die bereits in den sechziger Jahren begründete Zusammenarbeit mit der Beiersdorf AG, Hamburg, auf der Basis eines gemeinsamen Marketingkonzeptes auf eine neue Grundlage gestellt. In 25 Badeorten an Nord- und Ostsee veranstalten DLRG-Animateure, unterstützt durch das Beiersdorf-Spitzenprodukt NIVEA, während der Sommerferien die erste Strandfest-Tournee.

Ein Jahr später wird in Hamburg erstmalig der Deutsche Wasserrettungspreis NIVEA Delfin verliehen.

1990: Die politische Wende in der DDR und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten bietet auch für die DLRG eine große Chance. Nach 45 Jahren entstehen wieder Gliederungen in den ostdeutschen Ländern. Bereits am 5. Februar 1990 wird in Stralsund die erste Ortsgruppe der DLRG gegründet. Im Herbst folgen die Landesverbände Brandenburg (22.9.), Mecklenburg-Vorpommern (29.9.) und Sachsen (10.11.). Der LV Thüringen wird am 19.1. und Sachsen-Anhalt am 22.2.1991 aus der Taufe gehoben. Das Gebiet des früheren Ostberlin wird in den Landesverband Berlin integriert.

Höhepunkt des Jahres 1990 ist zweifellos die "Rescue 90" mit dem Weltkongress und den Weltmeisterschaften im Rettungsschwimmen in Lübeck/Travemünde. Im Rahmen der Veranstaltung vereinbaren die beiden Weltverbände FIS und WLS die Bildung einer paritätisch besetzten Satzungskommission, die eine Fusion beider Organisationen vorbereiten soll. An der Bundestagung 1992 in Friedrichshafen nehmen erstmalig wieder Delegierte der fünf neuen Landesverbände teil. Sie beschließt ein Aufbau- und Förderprogramm Ost, das bis heute fortbesteht.

Am 16. Januar 1993 eröffnet die DLRG in der Storkower Straße 118 in Ost-Berlin ein Bundesbüro, zu dem auch ein Büro der DLRG-Jugend gehört, um den Aufbau des Verbandes in den neu gegründeten Landesverbänden aktiv zu unterstützen. Mit einem besonderen Festakt feiert die DLRG in diesem Jahr an ihrem Gründungsort Leipzig ihr 80-jähriges Bestehen. Anlässlich der Rescue 1994 in England schließen sich die Weltverbände FIS und WLS zum neuen Weltverband, der International Life Saving Federation (ILS) zusammen. Als größte nationale Wasserrettungsorganisation der Welt übernimmt die DLRG führende Aufgaben und Ämter sowohl in der Weltorganisation als auch im europäischen Regionalverband ILSE. Die DLRG wird 1994 als gleichberechtigtes Vollmitglied in die Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH) aufgenommen. 1995 übernimmt sie den Gebäudekomplex der ehemaligen Katastrophenschutzschule des Landes Niedersachsen und verlegt den Sitz der Bundesgeschäftsstelle von Essen nach Bad Nenndorf. Mit der Gründung der DLRG Bildungsgesellschaft (DBG) und umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen im neuen Bundeszentrum schafft sie in der Folgezeit das Fundament für ein zukunftsorientiertes verbandsweites Bildungswerk, das sich die Weiterbildung und Qualifizierung der ehrenamtlichen Mitglieder zum Ziel gesetzt hat.

Im Juli 1997 überschwemmt das Oderhochwasser weite Teile Sachsens und Brandenburgs. In Zusammenarbeit mit Bundeswehr, Bundesgrenzschutz und den anderen Hilfsorganisationen gelingt es den Fachleuten der DLRG, zahlreiche Menschenleben zu retten und durch den Einsatz ihrer Taucher, Bootsführer und Rettungsschwimmer beispielsweise durch wasserseitige Deichsicherungsmaßnahmen größere Hochwasserschäden zu verhindern.

Im selben Jahr leitet die DLRG einen verbandsweiten Prozess über die künftigen Aufgaben, Ziele und Strukturen des Verbandes ein, der vier Jahre dauern sollte. Die Bundestagung 2001 bestätigte einmütig die Ergebnisse des Organisationsentwicklungsprozesses. Als Kernaufgaben der zukünftigen Arbeit wurden die traditionellen Schwerpunkte fortgeschrieben:

  1. Die Aufklärung der Bevölkerung über Gefahren im und am Wasser,
  2. die Ausbildung im Schwimmen und Rettungsschwimmen,
  3. der Wasserrettungsdienst einschließlich der Mitwirkung im Rahmen der Rettungsdienstgesetze und im Katastrophenschutz

Darüber hinaus beschloss die Bundestagung in einer Leitidee ein zukunftsorientiertes Ziel:

Die Halbierung der Ertrinkungszahlen bis zum Jahr 2020.

 

Anknüpfend an diese einvernehmliche Neuorientierung wurde auch ein neues Corporate Design verabschiedet, das die kommunikativen Grundlagen für diese "neue DLRG" schafft. Mit rund 770.000 ehrenamtlichen Mitgliedern und Förderern erzielt die DLRG am Ende des Jahres 2001 ein neues Rekordergebnis. Die Mitte der neunziger Jahre begonnene Einführung moderner Instrumente der Verbandsfinanzierung zeigen zunehmende Erfolge, wie etwa die Aktivitäten in der Förderer-Gewinnung und anderen Formen des Fundraising und entlasten dadurch die bislang stark beitragsabhängige Finanzierung.

Das Jahr 2002 bescherte der DLRG den größten Einsatz in der Verbandsgeschichte: 4.500 Helferinnen und Helfer waren bei den Hochwasserlagen in Bayern sowie an der Elbe und ihren Nebenflüssen im Einsatz. Sie retteten zahlreiche Menschen vor dem Tod durch Ertrinken und verhinderten durch deichsichernde Maßnahmen - wie bereits bei dem Oderhochwasser - weitere Überflutungen. So konnten Sachwerte in Millionenhöhe vor der Zerstörung bewahrt werden.

Am Beginn des Jubiläumsjahres kann die DLRG auf eine erfolgreiche Bilanz ihrer ehrenamtlichen Arbeit vorweisen:

Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 ist es gelungen, die jährliche Ertrinkungszahl um fast 90 Prozent zu senken und durch eine qualifizierte kontinuierliche Ausbildungsarbeit sowie die Förderung des Schulschwimmens, die Zahl der Schwimmer von etwa drei auf 80 Prozent der Bevölkerung zu steigern. Dieses weltweit einmalige System aus Aufklärung, Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung und Wasserrettungsdienst auf ehrenamtlicher Basis hat Deutschland zu einer der führenden Nationen in der Welt in Sachen Wassersicherheit werden lassen.