Wenn Sekunden entscheiden J ährlich sorgen zehntausende Rettungsschwimmer der DLRG für mehr Wassersicherheit in Deutschland, an den Wachsta- tionen entlang der Küsten von Borkum bis Usedom, aber auch in Schwimmbädern. Dass auch angehende Retter bereits zu echten Lebensrettern werden können und zur Stelle sind, wenn es drauf ankommt, beweist ein Beispiel aus dem Sommer letzten Jahres. Es ist ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch: Auf den Liegewie- sen eines Freibads breiten sich Handtücher aus, Kinder lachen und rennen barfuß über den warmen Boden. Jugendliche kicken einen Ball oder lassen Musik aus kleinen Boxen laufen. Der Duft von Sonnencreme liegt in der Luft, gemischt mit dem unverwech- selbaren Geruch von Freibadpommes. Im Wasser zieht ein ehr- geiziger Schwimmer seine Bahnen, während neben ihm ausge- lassen geplanscht und getaucht wird. Ein kleines Kind kämpft sich stolz durch die ersten Meter für das Seepferdchen. Über all dem ragt der Sprungturm – ein Ort für Mutproben, für Applaus, für das kurze Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen. Hier wird gezögert, geprahlt, gelacht. Und manchmal entscheidet sich ge- nau hier mehr als nur der nächste Sprung. Der Moment, in dem alles kippt An einem warmen Augusttag im Freibad von Nordheim (Landkreis Heilbronn) stehen auch die elfjährige Marlene und der zwölfjährige Leo in der Schlange am Beckenrand. Für sie ist es ein ganz normaler Ferientag: abkühlen, Spaß haben, Zeit verbringen. Beide engagie- ren sich in der DLRG und haben erst wenige Tage zuvor Schlepp- ren sich in der DLRG und haben erst wenige Tage zuvor Schlepp- gri e get. ine ng wie iee andere is z diese ent. Ein kleiner Junge drängelt sich an ihnen vorbei, klettert selbst- bewusst auf das Ein-Meter-Brett. „Kannst du überhaupt schwim- men?“, rufen Marlene und Leo ihm noch hinterher. Doch der Jun- ge zögert nicht. Er springt. Für einen kurzen Augenblick wirkt alles normal. Dann kippt die Situation. Das Wasser ist hier unterhalb des Sprungturms fast vier Meter tief. Der Junge taucht kurz auf, schnat nach t nd erschwindet wieder nter der erfl ä- che. Keine Bewegung, kein Rufen. Nur Stille. Marlene und Leo be- greifen sofort, was passiert. Sie wissen: Jetzt zählt jede Sekunde. Handeln ohne Zögern Ohne einen Moment zu verlieren, springen beide ins Wasser. Leo taucht nach unten, sucht den Beckenboden ab, entdeckt den reg- losen Körper und greift zu. Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen, bis er wieder auftaucht – den Jungen im Arm. „Ich habe nur gedacht: Bring das Kind nach oben, damit es weiterleben kann, erinnert sich arene säter. a an der erfl äche, ist sie zur Stelle. eeinsa setzen sie die geernten andgri e ein, sichern den Jungen und bringen ihn an den Beckenrand. Dort übernimmt Mar- lene sofort die Wiederbelebung. Konzentriert, entschlossen – in einer Situation, die keinen Raum für Zweifel lässt. Dann der ent- scheidende Moment: Der Junge hustet, spuckt Wasser, beginnt wieder zu atmen. Er lebt. Erst später bei einem Grillfest wird den beiden wirklich bewusst, was sie geleistet haben. „Da hat eine Freundin von uns gesagt: was sie geleistet haben. „Da hat eine Freundin von uns gesagt: ‚Wenn ihr nicht reagiert hättet, dann hätte der kleine Jun- ‚Wenn ihr nicht reagiert hättet, dann hätte der kleine Jun- ge seinen nächsten Geburtstag nicht erlebt‘“. Dass ge seinen nächsten Geburtstag nicht erlebt‘“. Dass er diesen Geburtstag weiterhin feiern kann, ist kein er diesen Geburtstag weiterhin feiern kann, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Mut, schnellem Zufall. Es ist das Ergebnis von Mut, schnellem Handeln und dem Wissen, im entscheidenden Handeln und dem Wissen, im entscheidenden Moment richtig zu reagieren. Für ihren Einsatz er- Moment richtig zu reagieren. Für ihren Einsatz er- hielten Marlene Mayer und Leo Kurz den NIVEA hielten Marlene Mayer und Leo Kurz den NIVEA Preis für Lebensretter*innen in der Kategorie Preis für Lebensretter*innen in der Kategorie „DLRG Rettungseinsatz des Jahres“ – stell- „DLRG Rettungseinsatz des Jahres“ – stell- vertretend für das, was ehrenamtliches Enga- vertretend für das, was ehrenamtliches Enga- gement bewirken kann: Leben retten, wenn es gement bewirken kann: Leben retten, wenn es darauf ankommt. Insgesamt 51.161 Rettungs- Insgesamt 51.161 Rettungs- schwimmer sorgten im ver- schwimmer sorgten im ver- gangenen Jahr bundesweit gangenen Jahr bundesweit an bewachten Badestellen an bewachten Badestellen für mehr Wassersicherheit. für mehr Wassersicherheit. Sie retteten in 1.154 Fällen Sie retteten in 1.154 Fällen Menschenleben, darunter Menschenleben, darunter 704 vor dem Ertrinken. 704 vor dem Ertrinken. Die Geschichte von Mar- lene und Leo zeigt ein- drucksvoll, wie wichtig die Rettungsschwimm- für die ausbildung Wassersicherheit in Deutschland ist und dass auch kleine Ret- ter große Helden sein können. Marlene (11) und Leo (12) erhalten 2025 in Hamburg den NIVEA Preis für Lebensretter*innen. © Beiersdorf AG 18 Wasserrettung