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Selbstrettung aus sinkenden Fahrzeugen

Ablaufphasen eines sinkenden Fahrzeugs:

  • Je nach Geschwindigkeit, Fallhöhe und Aufschlagwinkel kann ein Fahrzeug sehr hart auf die Wasseroberfläche aufprallen, um danach tiefer oder auch nur teilweise einzutauchen.
  • In der nächsten Phase ist zu beobachten, dass das Fahrzeug – außer bei bestimmten schweren Unfällen – meistens aufrecht auf dem Wasser schwimmt, d. h. mit den Rädern nach unten. Das Fahrzeug kann in dieser Position mehrere Minuten an der Wasseroberfläche bleiben.
  • Durch Löcher und Spalten in der Karosserie dringt schließlich Wasser ein, und das Fahrzeug beginnt zu sinken. Fahrzeuge mit Frontmotor neigen sich nach vorn, solche mit Heckmotor nach hinten.
  • Während des Sinkens können völlig unberechenbare Dreh- und Trudelbewegungen einsetzen. Das Ausmaß dieser Bewegungen hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab wie Gewichtsverteilung im Fahrzeug, Strömungen, Wassertiefe etc.
  • Meist trifft der Wagen infolge des Motorgewichtes senkrecht auf den Grund auf und kippt dann um oder wird – je nach Strömung – weitergespült.
  • Insassen können hierbei leicht die Orientierung verlieren und sind kaum in der Lage, sinnvoll zu handeln.

Im Fahrzeuginneren bildet sich eine Luftblase von eher geringerem Volumen. Die restliche Luft sammelt sich oftmals im Kofferraum und ist den Insassen somit nicht hilfreich. Je nach Konstruktion kann es passieren, dass der Wasserdruck das Dach eindrückt.

Verhaltensregeln, wenn das Fahrzeug ins Wasser gestürzt ist

  • Stürzt ein Auto ins Wasser, taucht es zunächst unter und tritt unmittelbar danach wieder an die Wasseroberfläche. Wenn die Insassen den unter Umständen harten Aufschlag dank richtig getragener Sicherheitsgurte heil überstehen, sollten sie das Fahrzeug sofort durch die Türen verlassen. 
    Achtung: Auf keinen Fall dürfen Türen – auch wenn sie sich noch leicht öffnen lassen – dann zum Aussteigen benutzt werden, wenn sich auf den hinteren Sitzen weitere Personen befinden. Denn durch offene Türen dringt das Wasser so schnell ein, dass Rücksitzpassagieren kaum mehr eine Überlebenschance bleibt.
  • Können die Türen nicht geöffnet werden, empfiehlt sich die Flucht durch das Fenster oder das Schiebedach, und zwar mit dem Kopf voran.
  • Sollten sich zwei Personen auf den Vordersitzen befinden, steigen sie am besten gleichzeitig durch die beiden vorderen Fenster aus.
  • Die gefährlichste Situation ergibt sich bei zweitürigen Autos mit Frontmotor, bei denen sich die hinteren Seitenfenster nicht öffnen lassen. Solche Fahrzeuge kippen in der Regel nach vorne ab. Deshalb sollten die Insassen nicht nach hinten flüchten, wo sich die Luftblase bildet, da sie sonst in der Falle sitzen. Sie müssen daher auf den Vordersitzen bleiben, bis es ihnen gelingt, entweder eine Tür zu öffnen oder durch ein Fenster zu entkommen.
  • Solange der Autofahrer dazu in der Lage ist, soll er vor allem den hinten sitzenden Personen durch Ziehen und Schieben helfen, so rasch wie möglich durch die Fensteröffnung oder das Schiebedach auszusteigen. Das Umlegen der Rückenlehnen kann dabei hilfreich sein.
  • Es sollte auf jeden Fall versucht werden, das Auto vor dem Untergehen zu verlassen. Ist der Ausstieg dagegen nicht möglich, solange das Auto noch an der Wasseroberfläche schwimmt, bleibt nur noch eine kleine Hoffnung, dass es nach kurzer Zeit festen Grund erreicht. Sind die Insassen dann noch bei Bewusstsein, können sie zu diesem Zeitpunkt durch die Tür den Weg ins Wasser und an die Oberfläche finden.

 

Vorbereitet sein:

Weil Angst leicht in Panik umschlägt, müssen sich die Autofahrer mit dem Gedanken eines möglichen Sturzes ins Wasser rechtzeitig auseinandersetzen und die Rettung mehrmals im Geiste durchexerzieren. Denn nur so haben sie eine Chance, im Ernstfall genau das Richtige tun.

Quelle: Ausbilderhandbuch Rettungsschwimmen der DLRG, Neuauflage 2009, 2. korrigierte Auflage 2012, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (Hrsg.), Bad Nenndorf.